Depression – neben einer Sonnenblume weinen

Heute mag ich euch von einer Wegbegleiterin erzählen, die mir immer wieder treu zur Seite steht. Die Depression.

Das Krankheitsbild Depression scheint diffus und ungreifbar. Es ist keine sichtbare Verletzung, kein verständliches Leiden, wenn alles zu viel, zu laut, zu anstrengend und gleichzeitig so trist ist. Es ist die Abwesenheit von etwas, dessen Fehlen erst spät oder auch nie von Außen erkennbar wird.

Depression beginnt vor dem Drama.

Sie schleicht sich leise ein, wenn etwas nicht rund läuft. Liegt es am nicht-artgerechten Leben, an einer organischen Problematik, an einem Schmerz, der an die Oberfläche drängt? Teils werden innerfamilär Neigungen zur Entwicklung bestimmter Krankheitsbilder übermittelt, eine besondere Sensibilität oder ein körperliches Leiden öffnet der Überlastung Tür und Tor.

Wie fühlt es sich an, wenn sie da ist?

Das ist so einfach nicht zu beantworten. Es ist jeden Tag anders, für jeden Menschen anders. Manchmal sind es lange Phasen der Dunkelheit, ein andermal gibt es auch immer mal wieder ganz tolle Zeiten und Tage zwischen den Einbrüchen. Bei mir ist es so, dass ich „grundlos“ weine, mich allgemein sehr kraftlos fühle, übersensibel, völlig taub oder reizbar bin. Keinen Sinn mehr in vielen Dingen sehe, und je länger es dauert, desto mehr werden es. Ich kann dann nichts mehr ausgleichen oder kompensieren. Oder überhaupt irgendwas tun, außer liegen.
Früher, vor allem im letzten Schuljahr, kam ich oft nach Hause und habe es manchmal nicht mehr geschafft, die Wohnungstür zuzumachen, bevor ich eine Weile auf dem Boden gelegen und geweint habe, weil ich so erschöpft von meinem Leben war. Obwohl es ein normaler Tag war.

Bis es soweit kommt, findet jedoch ein Prozess statt.

Nachdem ich es schon so oft in mir beobachten durfte, weiß ich inzwischen halbwegs, worauf ich achten muss. Ich höre mich ungeduldig werden, sehe die Farben aus meinen Gedanken und Gefühlen fließen, und meine Verbundenheit zu anderen Menschen verloren gehen. Keine Pausen und ständiges ge- oder überfordert sein, unter Strom stehen und nie wirklich runterkommen, fordert auf Dauer seinen Tribut. Für Raubbau zahle ich.

Ich habe mir das Bewusstsein, dass ich mir Gutes tun und genießen MUSS, hart erkämpft.

Müssen ist natürlich relativ, aber unter der Bedingung leben zu wollen trifft es zu. Ansonsten ist nämlich das, was von meinem Leben übrig bleibt der Bezeichnung nicht würdig, oder ich lebe tatsächlich nicht mehr. Gefährlich ist dabei allerdings nicht der dramatische Impuls, irgendwas endgültiges umzusetzen, sondern vielmehr die nagenden Fragen, die mich über Monate begleiten können.

Wozu leben?

Kinder sind resilient, und ich habe ihnen scheinbar schon eine recht gute Basis schaffen können. Sie haben doch auch einen liebevollen Vater, brauchen sie mich wirklich noch? Wahrscheinlich könnten auch schöne Dinge daraus erwachsen, wenn ich mich schon früher verabschiede. Und alles was ich mache, kann doch auch jemand anderer. Der Tod gehört sowieso zum Leben dazu. Wozu also warten, bis ich auch aus diesem Loch wieder draußen bin?

Logik hilft dann nicht.

Nach einer Weile fühle ich, wie die Reizverarbeitung und -reaktion sich verändert. Die Dunkelheit hüllt mich ein, findet Gründe, und ich kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wie es ist, das Leben zu genießen. Oder daran glauben, dass ich irgendwann wirklich wieder froh sein könnte, am Leben zu sein. Es ist ja meist nicht immer alles dunkel. Aber die leichten Momente können nichts mehr, oder nicht mehr genug aufwiegen.

Das heißt, auch wenn die Dunkelheit überwiegt ist es möglich, mal zu lachen und sich für eine Weile gut zu fühlen.

Ich halte mich inzwischen auch für meinen größten Fan. Alle Schwierigkeiten die ich überwunden habe, alles was ich geschafft habe, habe ich live miterlebt und kann mir dafür auf die Schulter klopfen, meine Leistung würdigen. Inzwischen weiß ich, es ist nicht normal, sich ständig schwer und müde zu fühlen. Das konnte ich herausfinden, weil ich mich dorthin gebracht habe wo es anders war! Ich wusste das tatsächlich nicht, und habe es mir erarbeitet!
Ganz viele Leute in meinem Umfeld sehen nicht, was ich erreicht habe, aber ich schon!
Ich würdige also meine Erfolge, erlaube mir, manches nicht hinzukriegen und bin ganz allgemein viel freundlicher im Umgang mit mir selbst geworden.

Es reicht nur leider nicht.

Ich bin nämlich noch nicht so gut daran, mich und meine Bedürfnisse ernst zu nehmen und an erste Stelle zu stellen. Alte Glaubenssätze und Unsicherheiten, die mir so lange Schutz und Überleben gewährten, wollen mir weiterhin helfen. Ich und sie, wir trauen uns noch nicht tatsächlich zu glauben, dass ich jetzt erwachsen bin, und wirksam. Dass ich mein Leben gestalten darf, kann, muss. Wir glauben manchmal noch, ich bin ein kleines Kind, das den Umständen ausgeliefert, auf Rücksichtnahme und Wohlwollen angewiesen ist. Konflikte müssen folglich unbedingt vermieden werden.

Da kommt auch schon die Krux.

Meinen Kindern möchte ich ein solches Erleben von Ausgeliefert-Sein nämlich gern ersparen, und ganz selbstverständlich Raum für die Erfüllung all ihrer Bedürfnisse bereitstellen. Blöd nur, dass ich dafür eben auch meine eigenen kennen und erfüllen muss, weil ich sonst ausbrenne und sie dann erst wieder zu kurz kommen.
Wenn mir das passiert kann es auch sein, dass ich im Garten an einer Sonnenblume rieche und mich danach weinend daneben lege, weil der Geruch so schön war, direkt in mich rein ging, und ich davor schon so lange nichts Schönes mehr fühlen konnte. Oder ich kann ihnen keine Aufmerksamkeit geben, weil ich ganz dringend Papier schöpfen muss – die Alternative wäre, sie anzuschreien und bei jeder Berührung aus der Haut zu fahren.

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Ertappe ich mich früh genug, kann ich planen.

Ich erkläre den Kindern dann ruhig, dass ich jetzt unbedingt was tun muss, was ich nur für mich und zu meiner Freude mache. Weil ich sonst wieder ein keifendes, unberechenbares Monster werde, und ich das so schrecklich finde, wenn ich so zu ihnen bin. Sie wissen dann Bescheid, und ich bin ruhig und gefestigt genug, um mich nicht völlig abkapseln zu müssen, sondern sie wenn notwendig weiter in meine Tätigkeiten einbeziehen zu können. Außerdem brauche ich dann nicht so lange, um runterzukommen.
Es ist noch sehr schwierig für mich anzuerkennen, dass lesen/Ukulele spielen/häkeln genauso wichtig ist, wie zu putzen und die Kinder zu versorgen oder mit ihnen zu spielen.

Dabei kann es tatsächlich so einfach sein.

Meine liebe Freundin ist nämlich tatsächlich wichtig. Sie erfüllt die überaus wichtige Rolle mir aufzuzeigen, wenn etwas nicht so läuft wie es laufen sollte. Wenn ich etwas tue, was meiner Einstellung oder meinen Werten widerspricht, ich in einem vergiftenden Umfeld lebe, oder mir zu lange keine Pause erlaubt habe. Depression ist die Notbremse, wenn ich auf nichts anderes höre. Zur Not fesselt sie mich ans Bett oder versucht, mich anders aus der Situation zu holen. Und wie das in der Not so ist, tun diese Maßnahmen manchmal weh, sie fordern einen Preis, und sind oft eher übers Knie gebrochen als effizient.

Aus diesem Grund versuche ich, vorzubeugen und meinen Job zu machen, bevor es so weit kommt.

Wenn ich die Abrutsch-Prävention aber verpasst habe und vielleicht schon Hilfe von Außen brauche um klar zu kommen, tut es gut, authentischen Beistand zu haben der keine Angst vor Gefühlen hat. Einfach sein dürfen, mit all meiner Dunkelheit, eventueller Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Ernst genommen, aber ohne Mitleid. Ein ruhiger Raum, in dem ich laut sein darf. Wo Verbindung und gesehen werden stattfinden kann. In dem Beständigkeit und Sicherheit herrschen, sowie schonungslose, liebevolle Ehrlichkeit, falls ich meine Macht und meinen Einfluss verleugne.

Dafür muss diese Begleitung aber sehr genau wissen, wo die eigenen Grenzen der Belastbarkeit liegen, wie verlässlich eventuelle Angebote sind, und die Fähigkeit haben herauszufinden, welche konkreten Maßnahmen sinnvoll sind.

„Ich bin immer für dich da“, dieser Satz verursacht mir inzwischen fast Brechreiz. Niemand kann immer. Ehrlicher ist, „Du kannst dich gerne melden, ich werde mein Möglichstes tun, dir beizustehen“.
Weiters braucht es meist eine kontinuierliche Vertrauensbeziehung, um auch tatsächlich aufmachen und bitten zu können. Kann ich nicht abschätzen wie das Leben von jemandem aussieht und ob es da gerade Kapazität für meine Belange gibt, werde ich mich nicht als Bedürftige dorthin wenden, solange ich es vermeiden kann. Ansonsten riskiere ich noch mehr Stress und Anstrengung.

Warum teile ich das mit dir?

Weil ich glaube dass es wichtig ist, da hin und wieder drauf gestoßen zu werden, dass es das gibt und wie es sich anfühlt. Jeder hat im Leben immer mal wieder Phasen, wo es weniger rund läuft. Und man kann sich drum kümmern, da leichter wieder raus zu kommen. Bevor sich im Gehirn ein neues Muster einschleift, das mit der Zeit immer schwieriger zu ändern ist und bei erneuten Schwierigkeiten reaktiviert werden kann. Vielleicht hilft es auch, jemanden mit seiner Traurigkeit und Schwäche sein zu lassen oder zu begleiten.

Deshalb noch ein bisschen Allgemeines:

Die Ursachen von Depressionen oder depressiven Episoden sind mannigfaltig und oft komplex. Bei den Einen ist es ein Schicksalsschlag, bei anderen scheint alles perfekt. Es kann auch an Nebenwirkungen von der Pille oder anderen Medikamenten (z.B. welche die bei Restless-Legs-Syndrom angewandt werden) liegen. Chronische Überlastung, auch Burn-Out genannt, kann dorthin führen, sowie – ja, tatsächlich – Darmprobleme und Nährstoffmängel oder hormonelle Ungleichgewichte. Wie wir mit Stress umgehen können wir auch wenn wir schon groß sind nochmal umlernen, aber die stärkste Prägung findet im Mutterleib und der frühen Kindheit statt.

Die beste Prävention ist meiner Meinung nach ein sicheres, nährendes soziales Umfeld mit stabilen Bindungen zu liebevollen Bezugspersonen vor allem als Kind. Außerdem tun was sich gut und richtig anfühlt, ein sich selbst gegenüber ehrliches und authentisches Leben zu führen, die volle Bandbreite an Gefühlen erlauben, Achtsamkeit im Alltag, nährstoffdichte Ernährung, Reduzierung von Giften in der Nahrung und dem Umfeld, artgerechte Lebensbedingungen sowie Psychohygiene und das Erlernen und Anwenden von Techniken um Glaubenssätze zu hinterfrfagen. The Work nach Byron Katie funktioniert für mich z.B. oft ganz gut. Auch die Auseinandersetzung mit starken Gefühlen, bevor sie mich von hinten überwältigen, hat mir gut geholfen. So konnte ich an etwas andocken. Völlig Neues zu beginnen ist meist sehr schwierig, wenn man in der Dunkelheit angekommen ist.

Hinweise auf Depressionen sind Trübseligkeit, Schlafprobleme, andauernde Unzufriedenheit, ein Ohnmachtsempfinden, Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten, Antriebslosigkeit, allgemeines Schwächegefühl, Schuldgefühle, sich als minderwertig und unfähig empfinden, Hoffnungslosigkeit, Taubheit, Verlust von Interesse an der Außenwelt, körperliche Beschwerden, gehäuft auftretende Unfälle, Anspannung und Unruhe. Nicht alle dieser Symptome müssen überhaupt, gleichzeitig oder pausenlos auftreten. Teils wird ab dem Vorhandensein mehrerer Symptome für eine Dauer von mehr als zwei Wochen von Depression gesprochen.

Was tun, wenn es passiert?

Wenn die Depression sich schon ihr Nest eingerichtet hatte, erlebte ich es als besonders hilfreich, die offizielle Freiheit zu bekommen, nicht mehr funktionieren zu müssen. Das kann z.B. die Befreiung von Job, Schule, Haushalt sein. Mich neu zu orientieren, zu identifizieren was tut mir gut, was nicht, und entsprechend mein Leben umgestalten. Zu schauen, welche Gedanken mich vergiften, und wie ich sie aushebeln kann. Wie ich meine Lähmung austricksen kann, um Dinge auszuprobieren die mir vielleicht gut tun, oder mich von Dingen abzuhalten, die mir nicht gut tun. Destruktive Verhaltens- und Denkmuster aufdecken und Alternativen finden, Wunden anschauen und dem verdrängten Schmerz Raum geben. Bei diesen Dingen hat mir engagiertes Fachpersonal, unter anderem in Einrichtungen, gut weiterhelfen können. Weil ich zu ihnen eine gute Beziehung aufbauen konnte und an Lösungen interessiert war.

Nährstoffdichte Nahrung die ich gut verdauen kann, am besten wild und frisch aus der Natur. Massage, körpergestützte Therapie, Techniken um mit körperlichen Beschwerden produktiv umzugehen um mich physisch wohler zu fühlen. Habe ich mich davor schon mit für mich wirksamen Techniken auseinandergesetzt, docke ich an die Erfahrung an. Neues ausprobieren ist dann nämlich unglaublich schwierig.

Eine Ausnahme von dieser Regel bildet, dass ich mich manchmal gut aus einer Schleife holen konnte, indem ich mich in völliges Neuland gestürzt, etwas ‚Verrücktes‘ und am besten zeitintensives gemacht habe. Etwas, womit ich mich selbst überrumple und wo es kein Richtig und Falsch gibt. Ohne Plan und (viel) Geld ins Blaue reisen hat mich z.B. auch oft ins Leben zurück geholt. Ich musste mich dann zwangsläufig und direkt um mein Überleben kümmern. Eventuelle Konsequenzen von Antriebslosigkeit trafen mich teils mit voller Breitseite und haben mich entsprechend motiviert.

Wenn medikamentös unterstützt werden will, sollte das immer nur eine vorübergehende Lösung sein und nicht leichtfertig entschieden werden. Vor allem die ersten zwei Wochen sind bei einem neuen Medikament – oft müssen mehrere ausprobiert werden – manchmal heftig. Dabei wird stark ins hormonelle Gleichgewicht eingegriffen. Teil der Risiken ist, dass die depressiven Symptome von den Medikamenten während der Einnahme oder auch lange nach dem Absetzen verstärkt bzw. ungünstig beeinflusst werden. Kritisch sehe ich außerdem, dass Medikamente uns oft dazu bringen sollen, zu funktionieren, ohne Ursachen zu berücksichtigen. Oft werden sie sogar verschlechtert, durch die symptomorientierte Behandlung.

Pflanzliche Mittel hören sich an wie Pipifax und brauchen manchmal länger um ihre Wirkung zu entfalten, wirken aber dennoch und bei richtiger Auswahl Anwendung meist sanfter und oft nebenwirkungsfrei. Bekannt ist etwa Johanniskraut. Leider ist alternativ-fachkundige Begleitung auf diesem Gebiet sehr schwer zu finden.

Was hilft?

Von Freunden und Familie in Ruhe gelassen werden, mit dem Signal der Bereitschaft, falls Bedarf besteht. Schön kann z.B. eine SMS mit „Ich denke an dich!“ sein, oder eine kleine Aufmerksameit hinterlassen, ohne persönlichen Kontakt nötig zu machen. Zuhören und sein dürfen, auch wenn etwas nicht nachvollziehbar scheint. Trotzdem bei Alltäglichem dabei sein dürfen, so wie man ist und wie es einem gerade geht angenommen. Ehrlich, authentisch und achtsam kommunizierte Grenzen, wenn der Zustand und seine Auswirkungen als zu belastend empfunden wurden, und eine Pause nötig ist. Die Anwendung klarer, gewaltfreier Kommunikation und Übernahme der Verantwortung für eigene Gefühle. Freundliches, vorwurfsfreies und in sachliche Worte gefasstes Hinweisen darauf, wie anstrengendes Verhalten auf andere wirkt.

Ich darf an dieser Stelle die Künstlerin Christine Böse zitieren, die neulich jemandem riet:

„Du kannst sie nicht trösten.
Es ist ihr Schmerz, ihr Verlust… egal wie lieb gemeint, ist alles was man sagen kann nur ein retuschieren, an der Oberfläche beseitigen, was sie als tiefen Schmerz empfindet. Vermutlich ist der Grund dafür, dass du sagst, du bist schlecht im trösten…, dass du in dir weißt, dass es keinen Trost gibt.
Was du aber tun kannst, ist ihr die Rückmeldung zu geben, dass es total verständlich für dich ist, dass sie so fühlt wie sie fühlt. Peng.
Ja. Das ist da.
Dass sie sich zurück zieht und vergräbt, ist ihr Schutzverhalten. Sie hat wohl die Erfahrung gemacht, dass andere ihren Schmerz nicht aushalten können! Und alles was unaushaltbar ist, wird weggedrückt. Das (der Schmerz der Frau) darf dann nicht sein. Und dem eigentlich Betroffenen wird damit sogar das Recht auf seinen Schmerz genommen.
Also besser für sich allein leiden…

Vielleicht kannst du ihr etwas Essentielles bringen. Etwas wie eine frische Suppe… ein selbstgebackenes Brot.
Und ohne viel Worte einfach ihr erlauben zu trauern.
Du kannst dir bewusst machen, dass es IHR SCHMERZ ist. Den musst du nicht trösten. Du hast gar nichts damit zu tun. Aber wenn du ihr in dieser erlaubenden Haltung begegnest, könnte es für sie eine große Erleichterung sein.
Und eine Hilfe, nicht mehr der Schmerz ZU SEIN, sondern ihn zwischen euch zu sehen, wahrzunehmen, als ETWAS, was da ist.“

Falls du mehr Input in dieser Richtung möchtest, beschäftige dich am besten mit radikaler Erlaubnis nach Mike Hellwig.

Nicht geholfen hat es mir, unter Druck gesetzt zu werden, wenn mich jemand (teils wütend oder verzweifelt) reparieren musste, weil mein Leid für den anderen unerträglich war. Oder mich wie ein rohes Ei behandelte, weil ich doch so schrecklich litt. Es gab Leute die mir erklären wollten, dass Selbstmord voll scheiße weil unfair gegenüber Hinterbliebenen ist. Und das Leben ein Geschenk das man doch würdigen und dafür dankbar sein muss. Andere haben es viel schlechter und kommen auch zurecht. Und überhaupt soll ich jetzt endlich mal ein freundliches Gesicht machen, meine Fresse nervt. Anstrengend finde ich auch jetzt noch, wenn Forderungen nach respektvollem Umgang dann auf ‚mein hartes Leben‘ (das so schlimm garnicht war) und daraus entstehende Behinderungen zurückgeführt werden – das Problem also bei mir liegt. Denk doch mal positiv, der Spruch hat mir auch unglaublich nicht geholfen.

Heldenstatus wollte ich denen verleihen, die herablassend erklärten, dass ich selbst schuld bin, weil ich eben die falschen Gedanken hab und offensichtlich nur gerne leide. Oder irritiert meinten, ich solle mich halt nicht mit dem Leid identifizieren.
Das also möglichst unterlassen, bitte.

Ein Hinweis für Fälle in denen jemand „nur Aufmerksamkeit will“ – spricht jemand von Selbstverletzung, Selbstmord oder anderen destruktiven Tendenzen, ist das ernst zu nehmen. Es ist großartig, wenn nicht jeder an seinem Wort festhält und den Mut hat, sich nochmal umzuentscheiden. Oder einfach nur um Aufmerksamkeit bettelt, weil grad keine andere Strategie zur Verfügung steht. Wirklich, das ist super! Da kämpft jemand! Da geht jemand in Kontakt und schreit!

Es lebt!

Wer sich umbringen will wird manchmal nämlich ruhiger, friedlicher, mit dem Entschluss. Andere geben keine Hinweise und tun es einfach. Wieder andere sprechen Jahre davon und setzen nie einen ernsthaften Versuch um. Aber die Not ist da, wenn sich jemand mit seinem Schmerz auf diese Weise zeigt, und die ist anzuerkennen. Tatsächliche, ehrliche Aufmerksamkeit schenken, aber dem ganzen Menschen und nicht nur dem traurigen Anteil, ist dann oft produktiv.
Wie im Einzelfall damit umgegangen wird, liegt dann im Ermessen des Umfeldes und der Betroffenen. Manchmal kann zuhören ausreichend sein, andere Male mag es nötig sein, auf sich zu achten und Betroffene zu bitten (oder ihnen zu helfen), professionelle Hilfe zu finden.

Hilfe annehmen und sie nutzen kann jeder nur selbst. Aber um die Möglichkeiten auszuloten, kann unmittelbare Unterstützung sehr hilfreich sein.

Sei eingeladen, deine Erfahrungen, Eindrücke oder Ideen mit mir zu teilen!

Falls du gerade betroffen bist möchte ich dir sagen: Es kann aufhören, und du bist stark genug um heraus zu kommen.
Solltest du dir Unterstützung von mir wünschen, schreib mir!

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Hier schreibt Mira. Hauptberuflich Lebenskünstlerin mit Fokus auf Heilkunde und Mama sein :)

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