#RosesRevolution – Gegen Gewalt während der Geburt

Heute, am 25. November, ist der Tag, an dem rosafarbene Rosen niedergelegt werden, wo Gewalt im Zusammenhang mit Geburt passiert ist. Oft wird diese Gewalt zu legitimieren versucht, indem behauptet wird, es wäre um Leben und Tod des Kindes oder, seltener, der Gebärenden gegangen.

Es ist ein revolutionärer Akt, als Gebärende auf die eigenen Rechte zu beharren.

Vielen ist es ob hormoneller oder körperlicher Lage nicht möglich, während der Geburt diesen Kampf auszutragen.
Das ausgeschüttete, körpereigene Oxytocin macht uns offen und weich – körperlich wie psychisch. Das Harmoniebedürfnis und die Empfindsamkekt nehmen zu.
Im Wehenschmerz oder aufgrund von körperlicher Erschöpfung, im fortgeschrittenen Verlauf auch wegen Medikation, ist es auch nicht immer möglich, für das Selbstbestimmungsrecht einzustehen.
Dann werden zum Teil unter Protestschreien Frauen an den Genitalien verletzt (Dammschnitt), Kinder werden mit falsch angewandten und damit lebensgefährlichen Kristellerhandgriffen aus dem Bauch gedrückt oder mit Zangen und Saugglocken gezogen.

Problematisch ist, dass die wenigsten ihre Rechte überhaupt kennen.

Als Gast im Krankenhaus steht es uns frei, jederzeit enen Revers zu unterschreiben und zu gehen. Es steht uns frei, jeden Eingriff zu verweigern oder hinauszuzögern. Wir haben ein Recht auf inhaltlich richtige und vollständige Aufklärung.

Aber guckt mal was passiert, wenn man sich im Krankenhaus oder auch nur der Arztpraxis wie ein mündiger Mensch verhält.

60% sind überfordert und der Rest geht auf die Barrikaden. Mit unhaltbarer Panikmache (‚Ihr Kind wird sterben, wenn Sie nicht tun,was ich sage!‘), Drohungen (‚Wenn Sie nicht mitmachen, werfen wir Sie raus / machen wir gleich einen Kaiserschnitt / ..‘) und teils auch Beleidigungen ist je nach Laune der Belegschaft sofort oder erst später zu rechnen.
Nicht immer und überall, aber überstrapazierte Menschen im Gesundheitsbereich verlieren nach 36 Stunden ohne Schlaf auch irgendwann die Fähigkeit, kreativ Lösungen zu finden und flexibel auf die Bedürfnisse der zu Betreuenden einzugehen. Egal, wie wichtig und prägend das ist.
Dazu kommt dann noch die Idioten-Quote, die immer berücksichtigt werden sollte.

Geburt
Quelle: Pixabay

Die Gewalt im Zusammenhang mit Geburt beginnt jedoch schon viel früher.

Sie beginnt dort, wo Frauen unter Druck gesetzt werden, bestimmte Untersuchungen vornehmen zu lassen. In Käferhaltung zu gebären, die nach dem Kopfstand die ungünstigste Gebärhaltung ist. Regungslos in einer Position zu verharren, damit das CTG ordentlich aufzeichnen kann, während sie ihre Schmerzen mit Bewegung drastisch lindern könnte. Eine unsachgemäße Aufklärung über eingesetzte Pharmazeutika.

Beispiel aus der Praxis:
‚Dieses Prostaglandin wird auch von ihrem Körper produziert, es gibt einen ganz sanften Anreiz, die Geburt in Gang zu setzen.‘
1. Ist es nicht. Es ist ein synthetisiertes Prostaglandin, das in der Wirkung von körpereignen abweicht. Wäre dem nicht so, wäre es nicht patentierbar und als Pharmazeutikum uninteressant.
2. Dieser sanfte Anreiz kann im Wehensturm enden, weil in die hormonellen Vorgänge des Körpers gepfuscht wurde.
Zudem wird die Tablette vaginal verabreicht, was eher wenige Frauen entspannt. Entspannung ist bei der Geburt allerdings das wichtigste, da jede Anspannung unnötigen Schmerz und sogar Komplikationen bis zum Stillstand bedeuten kann.
Der Stillstand ist bei guter Versorgung des Kindes unbedenklich, endet aufgrund von Richtlinien allerdings oft in Zangen- oder Saugglockeneinsatz, wenn nicht eine Sectio durchgeführt wird.

Deutlich effizienter wäre es, wenn überhaupt, hier zu sexueller Stimulation der Gebärenden anzuregen.

Denn allein durch die Stimulation, vor allem aber durch den Orgasmus, werden sehr viele Prostaglandine ausgeschüttet. Aus Eigenproduktion und damit risikofrei.
Aber nein, Sex ist peinlich und vielleicht auch irgendwie pervers, gerade im Zusammenhang mit Geburt, wo ja auch ein Kind eine Rolle spielt. Und Personal, das immer mal wieder die Hand hoschschieben will, um den Muttermund zu tasten. Geht ja nicht, wenn schon was drin ist.
Zudem darf man erwachsenen Menschen keinesfalls die nötige Privatsphäre zugestehen, wenn man für Komplikationen verklagt werden könnte.
Ergänzung: Diese Stimulation darf keinesfalls ohne Ausdrückliches Einverständnis durchgeführt werden, wie *hier* berichtet.

Gleiches gilt für en Einsatz von Oxytocin.

Eine Periduralanästhesie ist schwierig dosierbar, mit erheblichen Risiken von langfristiger Schädigung verbunden (vor der Querschnittlähmung gibt es noch so manch andere Beschwerde, über die selten gesprochen wird) und kann die Frauen so stark betäuben, dass sie nicht mehr aus eigener Kraft gebären können.
Außerdem beeinträchtigt jeder Medikamenteneinsatz die physiologisch-hormonellen Abläufe in Mutter und Kind, sodass unter anderem die Stillbeziehung leiden kann.
Jede Infusion verfälscht zudem auch das Geburtsgewicht, was einen weiteren Risikofaktor für eine entspannte Stillbeziehung darstellt, sollte das Kind mehr Gewicht verlieren als die Richtlinien erlauben.

Selbst wenn Interventionen gerechtfertigt sind, werden im Regelfall sowohl Mutter als auch Kind durch die Eingriffe traumatisiert, was für den Rest des Lebens Spuren hinterlassen kann.

Entsprechend wäre es sinnvoll für die Kassen, hier auf eine möglichst niedrige Eingriff-Rate zu pochen. Eine Hausgeburt ist laut den Zahlen der Qualitätssicherung außerklinischer Geburtshilfe, kurz QUAG, bei einer unauffälligen Schwangerschaft übrigens tatsächlich auch sicherer, als eine Geburt im Krankenhaus, da jede Intervention neue Risikien mitbringt.

Aufgrund der prekären rechtlichen Lage, ist es vor allem in Deutschland inzwischen schwierig, eine Hausgeburtshebamme zu finden. Und auch in Österreich ist es unter anderem finanziell Luxus, im außerklinischen Bereich zu gebären, da die Hebammen nicht angemessen bezahlt werden, sodass Familien hohe Rufbereitschaftspauschalen stemmen müssen, um den Lebensunterhalt der Geburtsbegleiterinnen zu finanzieren.
Eine Kostenübernahme für den deutlich teureren und um ein Vielfaches riskanteren Kaiserschnitt, selbst bei den (Gerüchten zum Trotz wenigen) Wunschkaiserschnitten, stellt indes kein Problem dar. Doulas wiederum, deren nicht-medizinische Begleitung das Kaiserschnittrisiko und damit die Kosten fürs System drastisch senken, müssen ebenfalls privat finanziert werden.

Auch scheinbare Kleinigkeiten sind problematisch.

Die Kinder werden z.B. häufig noch gewaschen und gekleidet, gerne auch mit Mütze, um den verformten Kopf zu verstecken. Auch damit werden hormonelle Bindungsvorgänge zwischen Mutter und Kind unterbunden, da unverfälschte Gerüche und Hautkontakt vor allem in dieser Phase eklatant wichtig sind. Der Kopf spielt hier bezüglich der Düfte eine sehr wichtige Rolle.

Das ist unsere Geburtskultur heute.

Während in Fachkreisen besorgt der Trend zur Alleingeburt (eigentlich unassistierte Geburt) kommentiert wird.

Mein Plädoyer an diese Kreise: Dann nehmt euch doch bitte ein Beispiel an Klinikleiter*innen wie Odent, Leboyer, Rockenschaub uvm.
Das sind Ärzte wie ihr, und die hatten eine Sectio-Rate von unter 2%. Rockenschaub hatte insgesamt eine Interventionsrate von 5%.
Wir haben heute die absurde Interventionsrate von 96% in Österreich, und eine Sectio-Rate von etwa 30%.
Die WHO gibt an, dass eine Rate von über 15% nicht zu rechtfertigen ist.
Es läuft etwas falsch, in euren Kreißsälen!

Denn wie es aktuell scheint, ist sowohl Alleingeburt als auch Hausgeburt sicherer, als sich euch anzuvertrauen.

Hier sind drei von vielen guten Büchern zum Thema:

Gewalt unter der Geburt: Der alltägliche Skandal

Birth Matters – Die Kraft der Geburt

Geburt und Stillen

Und Fachliteratur von Dr. Rockenschaub:

Gebären ohne Aberglauben

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Hier schreibt Mira. Hauptberuflich Lebenskünstlerin mit Fokus auf Heilkunde und Mutterschaft.

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