Voll in der Erziehung angekommen

Im letzten Jahr war ich viel unterwegs, mit ordentlich Gepäck und zwei Kindern. Das war für diese Zeit die beste Lösung, das sehe ich noch immer so. Es war aber sehr herausfordernd, und ich war oft überlastet – was überall so gewesen wäre, nur mit anderen Facetten. Weil auch meine Kinder herausgefordert waren und mir nicht ständig in allem entgegenkommen wollten bzw. konnten, ergab sich da eine Not, aus der ich oft nur schwer herausfand.

Eine Zeit lang war ich das Mega-Monster.

Davor habe ich die Kinder solange es ging in Watte gepackt, um die äußeren Umstände etwas abzufedern und sie in ihrem Schmerz zu begleiten. Ich hatte gehofft, bald in einer Situation anzukommen, in der auch meine Bedürfnisse von selbst wieder ausreichend Platz haben. Dazu kam es aber nicht. Ich konnte den Raubbau an mir also nicht gut genug ausgleichen, es kamen weitere Belastungen dazu und meine armen Kinder kriegten die Auswirkungen davon voll ab.

Ich musste lernen, zu erziehen.

Das war neu für mich, ich hatte es vorher noch nie gemacht. Die Kinder mussten hören, ohne zu hinterfragen oder zu diskutieren (das geht auch, bevor ein Kind sprechen kann). Und wenn sie das nicht gemacht haben oder, so Leid es mir tut das zugeben zu müssen, manchmal nicht konnten, habe ich gebrüllt, Rechte verweigert und bestraft. Ich konnte den dabei entstehenden Schmerz schlecht begleiten. Immer wieder habe ich Neins bezüglich ihres Körpers mit Gewalt überschritten. (Tatsächlich auch wegen Banaliäten wie sauberem Gesicht oder Strubbel-Haaren, damit wir nicht wie Abschaum wahrgenommen werden.)

Es war grässlich und wundervoll zugleich.

Es war wundervoll, weil es funktionierte. Gut, meine Kinder haben das Vertrauen in mich verloren und mich manchmal gehasst oder hatten Angst vor mir. Aber endlich musste ich unglaublich stressigen, belastenden Situationen nicht auch noch mit ihnen diskutieren. Ich fuhr einfach über ihre Wünsche drüber, sie hatten jetzt keinen Platz.
Es war grässlich, weil ich meinen Kindern weh getan habe, ihnen den Schutz des mütterlichen Hafens genommen habe, und sie in einer schweren Zeit ohne verlässlichen Halt zurück ließ. Meine Kinder hatten manchmal Angst vor mir, ihrer eigenen Mutter.

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Sobald ich mich halbwegs gefangen hatte, habe ich mich um Wiedergutmachung bemüht.

Ich habe mich entschuldigt dafür, wie ich mich verhalten habe. Habe erklärt, wie Kacke das ist, wenn ich so mit ihnen umgehe. Dass ich das eigentlich nicht darf, mir aber manchmal nicht anders zu helfen weiß, was voll auf ihre Kosten geht. Richtig unfair und gemein. Dass sie, egal was ich sage und tue, perfekt sind. Ich habe erklärt, dass ich Alternativen suche und versuche, da raus zu kommen. Gefragt, ob sie Ideen haben. Ob ich es ihnen irgendwie leichter machen kann. Die Klappe gehalten wenn ich den Eindruck hatte, jetzt sollen sie mir das Gefühl geben, dass es gar nicht so schlimm ist. Oder sonst irgendwie meine Verantwortung übernehmen. Und jede Kapazität die ich für sie frei machen konnte genutzt, um aufmerksam mit ihnen zu spielen oder sonst irgendwie spürbar zu machen:

Ich liebe und schätze dich, genau so wie du bist. Du bist wertvoll und wunderbar.

Noch viel wichtiger war aber, tatsächlich und langfristig aus dieser Überlastung zu kommen, um meinen Kindern wieder den Raum geben zu können, den jeder Mensch verdient. Damit ich selbst wieder flexibler und freier werde darin, ihre UND meine Bedürfnisse zu würdigen und nach Möglichkeit zu erfüllen.

Es war ein interessanter wie schmerzhafter Ausflug in die Erziehung, und ganz ist er wohl noch nicht vorbei.

Beispielsweise werden meine Kinder auch in Zukunft wahrscheinlich nicht jeden Ranz im Supermarkt kriegen, wenn sie ihn wollen. Früher hatte ich gehofft, wir können das einmal so handhaben.
Die Idealistin in mir wünscht sich zwar weiterhin dass es ausreicht, sie da frei entscheiden zu lassen was ihnen gut tut und was nicht. Aber sozialer Druck, Werbung und Aufmachung, chemische Wirkung, und jetzt schon sichtbare Auswirkung auf die körperliche Gesundheit der Kinder lassen mich zu dem Schluss kommen, dass es für uns vorerst mal nicht das Richtige ist.

Ich werde mir auch sicher keinen Fernseher anschaffen, um meinen Kindern keine Geräte vorzuenthalten.

Ich weiß, dass sie Auswärts noch genug Gelegenheit haben werden, um alles kennen zu lernen. Das ist ein bisschen gemein, weil ich damit den Kontakt zu denen, wo sie Zugang zu diesen Dingen erhalten, stark beeinflusse. Aber eine bessere Lösung habe ich momentan nicht. Vielleicht kommt sie ja noch.

Ich lebe in meinem Zuhause meine Werte, und wir werden im Dialog über mögliche Lösungen bleiben, mit denen alle zufrieden sind.

Jetzt gerade geht es am besten, wenn wir keine Videos gucken. Und damit meine ich wirklich wir. Ich kann mich zwar inzwischen ganz gut regulieren, aber ich verbringe den ganzen Tag mit den Kindern. Und wenn sie mal nicht neben mir sind, hab ich anderes zu tun als Videos anzuschauen.
Zum Thema Umgang mit Medien  und Selbstregulation werde ich aber noch ausführlicher schreiben.

Ich möchte wieder zurück zu einem Miteinander auf Augenhöhe.

Es ist einfach viel schöner.

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Hier schreibt Mira. Hauptberuflich Lebenskünstlerin mit Fokus auf Heilkunde und Mama sein :)

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