Die Wirkung naturreiner Düfte verstehen

Düfte, dazu zählen ätherische Öle, beeinflussen unser Befinden. Der Riechkolben ist nämlich Teil des limbischen Systems. Das ist der „emotionale“ Teil unseres Gehirns, in dem unter anderem unsere Gefühle ausgelöst werden.

Düfte beeinflussen also direkt unsere Gefühle, und damit auch unseren Blick auf sie Welt, ohne zwischengeschaltete Filter.

Die Autoren Voss und Herlinger stellen im „Taschenbuch der Anatomie“ auch einen Zusammenhang zu Gedächtnisleistung und Lernverhalten her, was inzwischen besser belegt werden konnte, und zum Teil auch schon in Firmen und bei verschiedenen Krankheitsbildern gezielt genutzt wird.
Über Gerüche können wir also ungefilterte Impulse setzen, welche über Hypothalamus und Hypophyse, zweier wichtiger Hormondrüsen im Gehirn, auch hormonelle und Reaktionen im Befinden bewirken. So können auch körperliche Funktionen beeinflusst werden, die dem bewussten Willen entzogen sind.
Grundsätzlich gilt: Wollen wir möglichst viel von einem Geruch haben, sollten wir schnüffeln. So finden am meisten Duftmoleküle zu unseren Riechzellen.
Sie befinden sich nämlich auf unserem Riechfeld, das etwa fünf bis zehn Quadratzentimeter Fläche im oberen Teil unserer Nasenhöhle ausmacht. Das ist bei zartem Blütenduft sinnvoll.

Düfte
Quelle: Pixabay

Bei ätherischen Ölen ist die Konzentration hingegen so stark, dass es oft besser ist, den Duft des Flaschendeckels (!) in die Nase steigen zu lassen, da sich so die verschiedenen Nuancen besser entfalten können.

Vor allem besonders intensive Düfte, die erst in hoher Verdünnung angenehm riechen, können so besser wahrgenommen werden.
Bei normaler Atmung strömt die Luft eher durch den unteren Teil der Nasenhöhle in die Lungen, lernen wir von Martin Henglein im Buch „Die heilende Kraft der Wohlgerüche und Essenzen“.

Die Nasenmuscheln, welche vor den Nebenhöhlen liegen, schwellen bei Frauen während der Menstruation übrigens gleichmäßig an.

Sie zählen zum Schwellkörpergewebe, welches wir auch an den Genitalien von Mann und Frau finden, und das auf sexuelle Erregung reagiert.
Die Nasenmuschel-Schwellkörper stehen zudem in Zusammenhang mit dem Solar plexus, unserem neuronalen Sonnengeflecht im Rippenbogen, sowie den vegetativen Nervenzentren, welche Atmung und Verdauung steuern.

Auf dieser Grundlage entwickelte der Berliner Wilhelm Fließ Anfang des 20. Jahrhunderts eine nasale Reflextherapie. Nils Krack ist einer der Naturheilärzte, die diese Reflextherapie aufleben ließen. Sein Buch „Nasale Reflextherapie mit ätherischen Ölen“ soll eine gute Einführung sein.
Welchen Schwellungsgrad die Schwellkörper der Nasenmuscheln nun aufweisen, reguliert das erwähnte autonome (= vegetative) Nervensystem über Sympathicus und Parasympathicus.

Diese beiden Nerven sind zwei Seiten einer Medaille.

Sympathikus ist der aktive, Parasympathikus der passive Part. Ist das Gleichgewicht gestört, können krankhafte Dauerschwellungen und Schleimabsonderungen der Schleimhäute die Folge sein.
Stress auf psychischer wie körperlicher Ebene, also Einflüsse wie emotionale Überlastung oder der ständige Kontakt mit Toxinen, z.B. über Rauchen, fordern diese Balance heraus.
Kommt es aufgrund langfristiger Dysbalancen dann zu gewohnheitsmäßiger Mundatmung, weil die Nasenschleimhäute so stark geschwollen sind, fehlt im Kopf-Gehirn-Raum wichtige Stimulation, die ansonsten durch die Nasenatmung gewährleistet wird.

Mundatmung fördert Entzündungen, Schadstoffe können schlechter gefiltert werden, die Atemluft wird schlechter vorgewärmt und zudem trockenen die Zähne aus, was wiederum der Zahngesundheit schadet.

Neben dem eigentlichen Riechnerv nimmt auch der Trigeminusnerv (Drillingsnerv) in beschränktem Maß Gerüche wahr. Er ist für die intensiven Noten in Chili, Kren und Rotwein zuständig. Die bewusste Wahrnehmung feiner Düfte scheint allerdings der Nase vorbehalten.

Der Trigeminus reguliert unter anderem das Kiefergelenk in puncto Stellung und Spannung der Muskeln, Dehnung der Sehnen und des Zahnhalteapparates.

Frage am Rande: Könnte man also den Drillingsnerv beeinflussen, um Zahnfehlstellungen zu behandeln?

Die Erfahrungsberichte der Experten im Zahngesundheitssymposium 2.0 von Maria Kageaki zeigen zumindest andere sanfte Manipulationsmöglichkeiten auf, mit beeindruckenden Ergebnissen. Dazu zählt unter anderem die Beinflussung der Psyche!

Bei bestimmten Gerüchen löst der Drillingsnerv zudem Reaktionen im vegetativen Nervensystem aus, welches Atmung, Verdauung und weitere Funktionen steuert.
Selbst manche Zellen in Haut, Herz, Darm und vielen weiteren Bereichen haben Rezeptoren für Duftmoleküle.

Über bestimmte Gerüche können wir also das psychisch-emotionale Befinden, die Verdauung, hormonelle Vorgänge sowie viele weitere Aktivitäten im Körper beeinflussen.

Doch nicht nur das, Gerüche geben auch Auskunft.

Ein Neugeborenes robbt beim breast crawl, dem eigenmotivierten Kriechen zur mütterlichen Brustwarze, in Richtung eines Geruches, den es aus dem Bauch kennt. Die Mamille sondert nämlich den gleichen Duft ab, den das Kind vom Geschmack des Fruchtwassers kennt. Daher sollten keine Feuchttücher oder anderen geruchsverfälschenden Reingungsmethoden für die mütterliche Brust genutzt werden.

Wasser ist völlig ausreichend, da die Milch selbst die Mamille pflegt.

Auch die Mutter selbst soll sich eher nur mit geruchsneutraler Seife waschen, und kein Parfum benutzen, da es den Bindungsprozess stören würde. Nichteinmal die Hände des Kindes sollten gewaschen werden.
Das Baby hätte aufgrund der veränderten Gerüche nämlich nicht die Möglichkeit, an bereits Bekanntes anzuknüpfen, weswegen es angespannter als notwendig wäre. Das wiederum kann zu vermeidbarem Weinen führen, um die Anspannung wieder zu entladen. Auch Stillschwierigkeiten können die Folge einer Störung der sensiblen Prozesse nach der Geburt sein.

Der Kopf des Kindes gibt ebenfalls Düfte ab, welche der Mutter helfen, sich ihrem Kind liebevoll zuzuwenden.

Deshalb ist es ungünstig, dem Kind direkt nach der Geburt eine Mütze aufzusetzen.
Auch sonst soll es bitte nicht nach der Geburt gewaschen werden. Eventuell vorhanden Käseschmiere zieht rasch in die Haut ein und pflegt sie.

Bestenfalls wird das Kind nach der Geburt auf den Bauch oder die Brust der Mutter gelegt, um sich am warmen, bekannten Körper inklusive der vertrauten Düfte, einzufinden.

Auch später in der Kindheit werden Gerüche eine Rolle spielen – sie können feinnasige Mütter unangenehme Krankheiten wie Magen-Darm-Grippe „vorherriechen“ lassen. Das ist möglich, weil sich der Körpergeruch je nach gesundheitlichem Zustand, hormonellen Vorgängen etc verändern kann.

So wurden Gerüche lange auch zu diagnostischen Zwecken herangezogen, da kundige Nasen vieles erschnuppern konnten.

Selbst heute gibt es in China z.B. noch den Beruf des „Furz-Riechers“, und auch bei uns in Europa war es früher üblich, dass Heilkundige und Ärzt*innen die wahrgenommenen Gerüche als Diagnostikum berücksichtigten.
Diese Methode ist zumindest für Patienten äußerst sanft, und angesichts der freien Verfügbarkeit überaus interessant.
Ich kann aus meinem Erfahrungsschatz weitergeben, dass schlecht verdauter Fruchtzucker im Stuhl nach süßlichem Waldbeeraroma und schlecht verdaute Milchprodukte oft nach Käse riechen.

Ein wahrhaft gesunder Mensch hat jedoch einen angenehmen Körper- und Schweißgeruch.

Das liegt daran, dass über die Haut keine bis kaum Schadstoffe ausgeschieden werden müssen.
Sogar der Stuhl riecht angenehm erdig, wenn zumindest an dieser Stelle alles im Gleichgewicht ist.

Die Duftvorlieben bei der Partnerwahl variieren je nach hormoneller Lage, wie inzwischen viele wissen.

So kann es kommen, dass man als Frau während der Nutzung hormoneller Verhütungsmethoden andere Männer attraktiv findet, als ohne, wie inzwischen viele wissen. Einen weiteren Einflussfaktor stellen die verschiedenen Phasen des Menstruationszyklus dar, die durch Anwendung hormoneller Verhütungsmittel eben wegfallen.

Es gibt also enge Zusammenhänge zwischen Gerüchen, den Duftvorlieben und den Steuerzentralen des Körpers, weswegen es sehr sinnvoll ist, sich mit der Welt der Düfte näher zu befassen.

Ich hoffe, ich konnte klären, dass die Anwendung ätherischer Öle (bitte unbedingt auf die Bezeichnung „naturrein“ achten!) oder Räucherwerken keineswegs Esoteriker*innen vorbehalten ist, sondern auch in der wissenschaftlichen Forschung und medizinischen Behandlungen einen würdigen Platz erhalten sollten.

Tatsächlich gibt es auch immer mehr Krankenhäuser, die in der Pflege und zur Unterstützung der Psyche ätherische Öle anwenden.

Schon vor Jahrzehnten begann diese Entwicklung, wodurch mir eine inzwischen pensionierte Krankenschwester von den harmonisierenden Einflüssen der Essenzen als Raumduft berichten konnte. Auf der Kinderstation wäre alles merklich friedlicher geworden, mit dem Einsatz der Duftlampen.

Auch die reinigende Wirkung ätherischer Öle überzeugt.

Sie können es, auch wenn sie nur als Raumduft eingesetzt werden, spielend leicht mit multiresistenten Keimen aufnehmen, denen jährlich viele Menschen erliegen.

Risikoarmes Experimentieren ist mit der Nutzung ätherischer Öle insofern möglich, als dass subjektiv wohlriechende, naturreine Öle als olfaktorischer, also Duft-Reiz, im Alltag genutzt werden können.
Zum Beispiel kann man sich einen Inhalierstift oder ein Riechfläschchen (kleiner, verschließbarer Glasbehälter, ein Stück Baumwolle, ein paar Tropfen ätherisches Öl) bereiten. So kann man die Düfte genießen, ohne durch ständiges Öffnen des Fläschchens die Oxidation zu begünstigen.
Sowohl die Anwendung auf einem Duftstein (gebrannter Ton, Lavastein, Speckstein, Holz,..) , in einem Vernebler, der der klassischen Duftlampe, als auch die Anwendung von Aromasticks können sehr bereichern.

Düfte
Quelle: Pixabay

Zur Unterstützung beim konzentrierten Auto-Fahren, gerade auf langen Strecken, nutze ich gern einen Aroma-Clip. Man kann sich allerdings auch hier mit niederschwelligen Alternativen behelfen, indem man etwa eine Baumwoll-Schleife an den Rückspiegel bindet, und am unteren Ende Öl auftropft.

Es gibt jedoch wenige Einschränkungen.

So ist etwa Eukalyptus globulus nicht einmal als Raumduft für sensible Kinder unter 6 Jahren geeignet. Andere Eukalyptus-Arten, darunter Eukalyptus radiata und Eukalyptus staigeriana, sind hingegen schon ab einem zarten Alter von 6 Monaten in niedriger Dosierung anwendbar.

In der Wirksamkeit sind sie gleich stark, das Spektrum weicht nur minimal von der Eukalyptus-Art globulus ab.

Zimt und Nelke wirken durchblutungsfördernd, je nach Zustand und Sensibilität von Schwangeren auch abortiv.
Laut der erfahrenen, durch  AiDA ausgebildeten und ärztlich geprüften Aromapraktikerin Christine Feik, hängt die erhöhte Fehlgeburtenrate in der Vorweihnachtszeit mit der häufigen Verwendung solcher Gewürze  zusammen.

Naturreines Lavendelöl gehört zu den wenigen Ölen, die bei unbestrittener Wirksamkeit so mild sind, dass sie etwa bei Verbrennungen pur auf die Haut geträufelt werden können.
Cistrose wirkt blutstillend und wundheilungsfördernd bei Schnittwunden, Immortelle ist ideal bei stumpfen Verletzungen und Prellungen. Auch diese beiden stellen Ausnahmen dar, und können im Akutfall pur angewendet werden.

Selbst diese gut verträglichen Öle sollten bei der weiteren Anwendung allerdings gut verdünnt werden. Bei körperlichen Beschwerden und kürzerer Anwendungsdauer sind bis zu 3% ätherischer Öle in fetten Trägerölen angemessen, bei chronischen und psychischen Themen eher 0,5% angezeigt.

Mit ätherischen Ölen ist weniger oft wirklich mehr, was sowohl die Ressourcen, als auch den Geldbeutel schont.

Im Seminar bei Frau Feik habe ich auch gelernt, dass die Duftmoleküle auch über die Haut (gemischt in einem Trägeröl) sehr gut aufgenommen werden. Innerhalb von 20 Minuten haben sich die Stoffe im Körper verteilt, nach etwa 3 Stunden sind sie verbraucht oder ausgeschieden.

Wichtig: Die Haut sollte feucht sein.

Denn so wird der Feuchtigkeitshaushalt der Haut unterstützt und die ätherischen Öle werden besser aufgenommen.
Optimal ist zum Beispiel die Anwendung nach dem Duschen, oder nach Aufsprühen eines an sich schon pflegenden Hydrolates.

Wir sollten auch darauf achten, ob die Wirkung über die Haut gleich ist, wie als Raumduft, und die Anwendung entsprechend anpassen. Die wissenschaftlich fundierte Datenbank auf aromainfo.at informiert beispielsweise darüber, dass Vanille-Extrakt auf der Haut so wirkt, als hätten wir etwas Süßes gegessen, die Serotonin-Ausschüttung wird angeregt. So kann der Duft beim Fasten und Ernährungsumstellungen behilflich sein.

Als Raumduft wirkt Vanille hingegen appetitanregend, was bei Fastenkuren ungünstig wäre.

Interessant ist übrigens der unterschiedliche Zugang der verschiedenen Aromapraktiker*innen. Regina Pulling, bei der ich ebenfalls Seminare besucht habe, hat die gleichen Qualifikationen wie Frau Feik. Beide schätzen sich als Kolleginnen hoch, und trotzdem gibt es erhebliche Unterschiede im persönlichen Zugang. Doch dazu ein andermal mehr.

Zum Abschluss erzähle ich euch jetzt noch, dass ich im Herbst begonnen habe, diesen Beitrag zu schreiben. Zu dieser Zeit begann ich, mich bewusster mit den Essenzen zu beschäftigen. Da ich auch eine Einkommensquelle, hinter der ich stehen kann suchte, bin ich nun Aromaberaterin bei feeling geworden. (Die Links zur Seite sind Partner-Links.)

Mit dieser Entscheidung bin ich recht glücklich, und habe mein Sortiment inzwischen auch um andere Produkte erweitert, die der Gesundheit auf verschiedenste Weise zuträglich sind. Dadurch wird das Angebot der Begleitung für mich stimmig ergänzt, und ich kann die Finanzierung der Projekte besser bewältigen. (Hier geht’s zur Seite vom Entfaltungsladen.)

Welche Düfte magst du momentan am liebsten?
Welche Erfahrungen hast du mit ihnen gesammelt?
Hast du schon mal ätherische Öle zur Wundversorgung angewandt?

 

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Hier schreibt Mira. Hauptberuflich Lebenskünstlerin mit Fokus auf Heilkunde und Mutterschaft.

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